Mit der U-Bahn unterwegs – Eine Reise durch den Berufsverkehr

Mit der U-Bahn unterwegs – Eine Reise durch den Berufsverkehr

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Berlin ist eine schöne Stadt, meistens zumindest. Hier leben die unterschiedlichsten Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen. Am Besten kann man dies auf einer Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch Berlin beobachten.

Mein Arbeitsplatz liegt genau auf der anderen Seite der Stadt. Ich wohne im äußersten Nordwesten, im schönen Spandau, und muss in den (fast) äußersten Nordosten. Da die Entfernungen bei einer Stadt wie Berlin dabei ziemliche Ausmaße annehmen, der Sprit so teuer und der Berufsverkehr so aufregend ist, nehme ich die öffentlichen Verkehrsmittel. Allerdings ist man auch mit denen bis zu 1 ½ Stunden unterwegs. Das Interessante sind jedoch die Menschen, denen man begegnet und die man beobachten kann.

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Es beginnt für mich mit einer Busfahrt, anhand der man sehr schön das soziale Gefälle sehen kann, welches in einer Millionen Stadt herrscht. Da gibt es “reiche” Gegenden, die Bereiche des Mittelstandes und die sozialen Brennpunkte. Es ist, als würde man durch verschiedene Klimazonen fahren, mit den Haltestellen als klar abgegrenzten Übergängen. Während bei uns die Anzugsträger einsteigen, steigen an der nächsten Haltestelle die Blaumänner ein. Etwas weiter steigt keiner ein, da viele hier nicht zur Arbeit “müssen”. Erkennbar wird dieses besonders am Nachmittag, wenn man die Anwohner an besagter Haltestelle aussteigen sieht.

In der U-Bahn kommt dann alles zusammen. Schlipsträger, Blaumänner, abgerissene und weniger abgerissene Gestalten aller Couleur, halt alles, was so ein Bezirk zu bieten hat.

Jeden Morgen treffe ich beispielsweise eine Gruppe geistig und leicht körperlich behinderter Menschen (das ist jetzt nicht wertend gemeint) auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle in den Behinderten Werkstätten. Es ist ein lustiges Völkchen, das für Umsatz bei den Coffee to go Anbietern am Bahnhof sorgt. Im Gegensatz zu vielen anderen, mich eingeschlossen, haben sie viel Zeit, um zur Arbeit zu kommen. Sie reden dabei über ihre Erfahrungen vom Vortag, den großen und kleinen Problemen des Miteinander und über viele andere Dinge. Interessanter Weise wohnen die meisten im gleichen Heim und haben sich trotzdem viel zu erzählen. Woher ich das weiß? Mein Sohn geht im Evangelischen Johannesstift zur Schule, das ebenfalls Behinderten- und Altenheime beherbergt. Ein toller Ort für ihn, um soziale Kompetenz zu lernen. Manch einer würde sich wundern, welch alltägliche Probleme auch Menschen mit Behinderung beschäftigen. Dies wäre die Gelegenheit es Zweiflern zu zeigen, die der Meinung sind, behinderte Menschen täten nichts für die Gesellschaft.

Wer in Berlin mit den Öffentlichen fährt, braucht oftmals auch eine unempfindliche Nase. Körperpflege wird bei manchen Leuten halt nicht groß geschrieben und damit meine ich nicht die Verkäufer von Obdachlosen Zeitungen. Die sieht man morgens um 7:00 Uhr ohnehin nicht. Dann hätten wir da noch die Quasselstrippen, die bereits früh am Morgen viel über ihr Mobiltelefon mitzuteilen haben. Hier kann ich sehr schön beobachten, welche ethnische Gruppe am lautesten ist. Ich formuliere es mal so: je südlicher die (scheinbare) Herkunft, desto lauter. Ob es nun von Vor- oder Nachteil ist, die Sprache nicht zu verstehen, sei mal dahin gestellt. Andere, deren Sprache ich verstehe, sind oft auch nicht besser und die Dinge, die da besprochen werden, möchte man auch nicht wissen. Beziehungsprobleme sind noch die harmlosen Sachen, die man da ungewollt mitbekommt.

In der S-Bahn vermischt es sich dann weiter. Die Gesichter werden bunter und die Sprachen vielfältiger. Allerdings gibt es auch viele, die sich anschweigen. Eine Millionen Metropole fördert halt die Anonymität. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, in denen ich in einem Ort mit knapp 5000 Einwohnern wohnte. Da traf man Frau Meier im Bus und die fragte, wie es denn der Mutter ginge. Es war eine kommunikative Zeit :-)

Dabei ist die S-Bahn im Berufsverkehr geradezu prädestiniert zum Kommunizieren. Dicht an dicht steht man in den Gängen und erfreut sich eines Körperkontaktes, den man sonst nie haben würde. Anstatt jedoch höflich zu bitten, ob man durch könne, um auszusteigen, wird man gerne mal angerempelt und zur Seite geschoben… wehe man tritt einen Schritt zur Seite, oder Gott bewahre tritt aus der S-Bahn heraus, um die Leute durch zu lassen… die Chance nicht mehr hinein zu kommen ist groß, denn die Neueinsteiger drängen bereits hinein, bevor die Austeigenden eine Chance dazu hatten. Nun gut, dies passiert relativ selten, ist aber im Zwischenmenschlichen Miteinander durchaus möglich und leider auch üblich.

Fällt es eigentlich nur mir auf, oder ist es eine Einbildung? Steht man am eiskalten Bahnsteig, kommt die S-Bahn in Gegenrichtung öfter, als in der, in die man möchte… Sorry, das ging mir gerade so durch den Kopf.

Hat man sich also an den Einsteigenden vorbei geschoben, geht ein wahrer Run los… ich sage nur Landsberger Allee. Wer den Bahnhof kennt, wird vielleicht wissen, wovon ich schreibe. Mit großen Schritten geht es die Treppen hoch zur Tram, immer in der Hoffnung noch die nächste zu erwischen. Doch auch hier muss man sich Quasi der Ankommenden erwehren, die einem auf breiter Front entgegen kommen. Manchmal kein einfaches Unterfangen.

Die letzte Etappe mit der Tram ist erstaunlicher Weise immer recht entspannt, es sei denn, die Studenten sind los. Auf dem Weg liegt nämlich eine Fachhochschule, deren Studenten offenbar ein besonderes Bedürfnis zur lautstarken Kommunikation haben. Zum Glück passiert dies recht selten… man kennt ja das Thema Studenten und früh aufstehen :-)

 

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Andreas

Baujahr 1969, bin ich erst spät (1997) zum Internet gekommen, das ich seit 2010 nun endlich auch mobil nutzen kann. Ich habe mich vom ersten Augenblick an in Googles Betriebssystem Android verliebt und blogge nebenher auf MobileGeeks und GO2anDROID

 

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